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Business

Lieferkettentransparenz in der Mode: Was die EU-Parlaments-DPP-Studie sagt

Tracetil Team
2026-04-23
3 min read

Lieferkettentransparenz ist in der EU-Politik von Marketing zu Informationssystemen auf Produktebene geworden. Dieser Beitrag fasst zusammen, was die offizielle Studie des Europäischen Parlaments Digital product passport for the textile sector (PE 757.808, Juni 2024) sagt — und was nicht.

Die Lücke, die die Studie dokumentiert

Analyse von 54 Fashion-Pact-Marken (in der Studie zitiert):

  • 83 % veröffentlichen CSR-/Nichtfinanzberichte
  • 30 % veröffentlichen eine Tier-1-Lieferantenliste — meist nicht mit Produkten verknüpft
  • 93 % zeigen im Handel für die meisten Produkte das Herstellungsland; 17 % online

Fazit der Studie: von Markentransparenz zu Produkttransparenz (konkretes Produkt + Fertigungsprozess).

Warum Rückverfolgbarkeit schwer ist

Die Bekleidungskette ist käufergetrieben mit Level 0 (Marke/Handel) bis Level 4 (Rohstoffe):

LevelTierTypische Tätigkeit
0MarkeBestellen, vermarkten, verkaufen
1CMTZuschnitt, Nähen, Montage
2StoffWeben, Stricken
3GarnSpinnen, Faservorbereitung
4RohstoffFarm, Polymer, Recyclingzulauf

Ein Barcode allein unterscheidet nicht ähnliche Produkte mit unterschiedlicher Verarbeitung (Beispiel Studie Abbildung 3).

Was Phase-1-Transparenz verlangt (Studie)

Verpflichtend im minimalen DPP (Horizont 2027):

  • Standorte von Konfektion, Weben/Stricken, Färben/Druck, relevanten Nassverfahren
  • Zusammensetzung: Recyclingmaterial, gefährliche Stoffe, Kunststoff-Mikrofasern
  • Recyclingfähigkeit, Verpackungsdaten, Umweltunbedenklichkeit

Nicht Phase-1-pflichtig:

  • Volle öffentliche Tier-4-Rückverfolgbarkeit zu jedem Besatzlieferanten (Umfrage: sehr schwierig)
  • Öffentliche Lieferantenlisten, wo vertraulich (Studie + Umfrage: Zugriffskontrolle nötig)
  • Herstellungskosten

Vertraulichkeit gehört zum Design

Umfragekommentare (81 Stakeholder):

  • Lieferantennamen können vertraulich sein — Autorisierung und bedarfsgerechte Transparenz
  • Unterschiedliche Nutzeransichten für Verbraucher, Unternehmen, Behörden
  • Jeder Akteur verantwortet lokale Daten mit Qualitätsstandards

Transparenz ≠ alles auf einer öffentlichen Website veröffentlichen.

Business-Nutzen (an Studienzielen ausgerichtet)

Die Studie nennt u. a.:

  • Unternehmen informieren — zentrale Lieferkettendaten für Qualität, Beschaffung, Compliance
  • Ressourcenströme steuern — z. B. Umstellung Bio-/Konventionsbaumwolle
  • Marktüberwachung und regulatorische Compliance
  • Kommerzielle Differenzierung für Marken mit belegten Angaben
  • Kreislaufwirtschaft — Reparatur, Weiterverkauf, Recycling brauchen Produktdaten

Konkrete ROI-Prozentsätze (Conversion, Wholesale) stehen nicht in der Studie — messen Sie das in Ihrem eigenen Business Case.

Weitere EU-Instrumente in der Studie

  • ESPR und delegierte Rechtsakte (Produktanforderungen, DPP-Regeln)
  • Revision der Textiletikettierung (physisch + digital mit ESPR)
  • CIRPASS (standardbasiertes DPP-Datenmodell)
  • Sorgfaltspflichten-Unternehmen / CSRD (soziales Reporting kann in den DPP einfließen)
  • AGEC (Frankreich) — seit Januar 2023 für Produktumweltinformationen

Minimale Transparenz für Phase 1

  1. Recyclinganteil, gefährliche Stoffe, Mikrofasern (falls zutreffend)
  2. Recyclingfähigkeit
  3. Prozessstandorte (Konfektion, Stoffbildung, Färben/Druck)
  4. Verpackungs-Kreislauffelder
  5. Unbedenklichkeit / Umwelt-Produktinformationen

Tier-Namen, Zertifikate und Transport in Phase 2 oder freiwillig, wenn Käufer fragen — passend zum Phasenmodell der Studie.

So starten Sie

  • Eine Produktlinie, nur Phase-1-Felder
  • Eingeschränkte Lieferantenidentität wo nötig
  • Lieferanten-Portal statt E-Mail-PDFs (Studie: manuelle Sammlung teuer und fehleranfällig)
  • Öffentliche Seiten aus dem E-Commerce verlinken

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Quelle: PE 757.808, EPRS/STOA, Juni 2024.

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